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Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Der hohe Zubau von Solaranlagen zum Jahreswechsel wird zu einer
weiteren deutlichen Vergütungsabsenkung zur Jahresmitte führen.
Statt 6,5 Gigawatt, wie von den Übertragungsnetzbetreibern
noch im Oktober angenommen, betrug der Zubau 2011 vermutlich 7,5
Gigawatt. Die Solarvergütungen werden damit bereits zum ersten
Juli um weitere 15% abgesenkt werden. Das ist so bereits im Mechanismus
des vorhandenen Erneuerbare-Energien-Gesetzes angelegt. Das ist
dann bereits die zweite Absenkung in Höhe von 15% innerhalb
von sechs Monaten, bzw. insgesamt 27,75%. All diejenigen, die jetzt
drastische Kürzungen bei der Solarvergütung fordern, sollten
sich vor Augen halten, dass diese innerhalb von sechs Monaten bereits
auf Basis des bestehenden Gesetzes um mehr als ein Viertel gekürzt
wird.
Die Vergütungsätze für Freiflächenanlagen betragen
zum 1. Juli dann 15,25 bis 15,95 Cent und die für Dachanlagen
zwischen 18,68 und 20,77 Cent. Die nächste gesetzliche Absenkung
folgt dann bereits zum 1. Januar 2013.
Sämtliche Angaben sind vorbehaltlich möglicher gesetzlicher
Änderungen. Bekanntlich fordern Bundeswirtschaftsminister Rösler,
der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle sowie die Hardliner in
der Unionsfraktion weitere Einschnitte bis hin zur Deckelung des
Zubaus von Photovoltaikanlagen.
Eine Deckelung würde die Solarwirtschaft genau zu dem Augenblick
treffen, in dem sie ihre Kostensenkungsankündigungen wahr macht
und Solarstrom immer günstiger wird. Bei einer Deckelung würde
die Solarwirtschaft zerstört werden. Damit wären auch
die hohen Anfangsinvestitionen für die Katz, die der Ausbau
der Solarenergie in Deutschland mit sich gebracht hat. Jetzt, kommt
die Zeit, die Ernte einzufahren. Das Dümmste, was man jetzt
tun könnte, wäre beim Traktor den Motor abstellen, um
Sprit einzusparen.
Übrigens hätten die Vergütungskosten des Jahres
2011 deutlich niedriger ausfallen können, hätte man -
wie von uns vorgeschlagen – die Vergütung in mehreren
kleinen Schritten bereits im Laufe des Jahres 2011 gesenkt. Es war
2011 bereits zu Jahresanfang absehbar, dass die Solarmodulpreise
sinken werden und Spielräume zur Vergütungssenkung bereits
vor dem Jahreswechsel gegeben sein werden. Ebenso war absehbar,
dass der für Juli 2011 von Schwarz-Gelb gewählte Degressionsmechanismus
nicht funktionieren würde. Bekanntlich fiel die Degression
dann auch aus. Dies führte dazu, dass es Ende 2011 sehr lukrativ
war, Photovoltaikanlagen zu bauen. Zugleich heizte Schwarz-Gelb
mit der Diskussion über eine Deckelung des Photovoltaikzubaus
die Situation drastisch an. Wer auf Nummer sicher gehen wollte,
baute noch im Dezember. Die Diskussion um den Deckel hat sich mit
dem starken Zubau jetzt selbst weiter angefacht.
Auch 2012 ist zu erwarten, dass die Solarstromvergütung weiter
von schwarz-gelber Verunsicherung und Fehlentscheidungen geprägt
sein wird. Den Schaden hat dabei nicht nur die Solarwirtschaft sondern
auch der Stromkunde.
Überflüssige Stromkosten
Apropos Stromkunde. Dieser zahlt dieses Jahr über die EEG-Umlage
für eine zusätzlichen Liquidätspuffer, obwohl das
EEG-Konto im letzten Jahr mit 80,4 Mio. Euro im Plus abgeschnitten
hatte. Mehr noch: Das EEG-Konto lag Ende 2011 sogar um 1375 Mio.
Euro höher als Ende 2011. (www.eeg-kwk.net) Ende 2010 hatte
das EEG-Konto noch deutlich im negativen Bereich gelegen, was durch
einen Zuschlag 2011 ausgeglichen wurde. Der überflüssige
Liquidiätspuffer freut die Übertragunsnetzbetreiber. Den
Schaden haben die Stromkunden, der zu hohe Strompreise zahlt.
Der Stromkunde wird zugleich mit der EEG-Umlage dieses Jahr auch
hunderte Millionen Euro für die sog. Marktprämie zusätzlich
bezahlen, die nicht einmal die Erneuerbare-Energien-Verbände
wollten. Die sog. Marktprämie führt zu reinen Mitnahmeeffekten
vor allem bei Altanlagen. Die Bundesregierung sollte diesen Fehler
schnellstmöglich korrigieren. Für eine schnelle Korrektur
steht das Mittel der Rechtsverordnung zur Verfügung.
Brachliegende Kapazitäten
Aber nicht nur hier könnte man die Hände über dem
Kopf zusammen schlagen. Auch bei der Diskussion über den Strombezug
aus alten österreichischen Kraftwerken kann man nur fassungslos
zuschauen. Bekanntlich stehen in Deutschland einige hundert Megawatt
Pflanzenöl-BHWK still, die von heute auf morgen über passende
Rahmenbedingungen aktiviert werden könnten. Stattdessen werden
in Österreich alte Ölkraftwerke reaktiviert. Mehr noch,
in den Medien wird über die fehlenden Stromleitungen lamentiert,
um Strom aus Norddeutschland nach Süddeutschland zu leiten,
während zugleich Strom aus Süddeutschland nach Italien
transportiert wird.
Berlin, den 9.1.2012
Ihr Hans-Josef Fell MdB, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/ Die Grünen
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon: 030 - 227 72 158, Fax: 030 - 227 76 369
http://www.hans-josef-fell.de, Bei mir werden Erneuerbare Energien
groß geschrieben!
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