[sfv-rundmail 01.01.2012]
1. Zweifel an den Lösungsvorschlägen der Volkswirtschaftslehre
2. Leseprobe zu Jürgen Grahl "Gegenwartspräferenz
und Zukunftsdiskontierung"
3. Solarstromzähler ablesen
1. Zweifel an den Lösungsvorschlägen der Volkswirtschaftslehre
Liebe Mitglieder und Freunde des Solarenergie-Fördervereins,
das vergangene Jahr hat vielen nachdenklichen Menschen die Augen
dafür geöffnet, dass es so, wie "die Dinge"
derzeit laufen, nicht weitergehen darf. Nicht nur in der Energiewirtschaft
befindet sich die Menschheit mit der fortgesetzten Nutzung fossiler
und atomarer Energien auf einem höchst gefährlichen Weg.
Die nach der Wirtschaftskrise jetzt um sich greifende Finanzkrise
und die zunehmende Macht- und Konzeptlosigkeit der staatlichen Organe
lässt den Gedanken aufkommen, dass die bisher eingesetzten
Regelmechanismen für die Organisation der menschlichen Zusammenarbeit
generell nicht mehr den auftretenden Anforderungen gerecht werden.
Dies wäre weitgehend ein Versagen der Volkswirtschaftslehre,
denn sie ist es, die nach wissenschaftlich begründeten Handlungsempfehlungen
für die Wirtschaftspolitik sucht.
Ein bekanntes Beispiel für eine offenbar fehlerhafte Handlungsempfehlung
der Volkswirtschaftslehre ist die Forderung nach weiterem Wirtschaftswachstum.
Diese Forderung hat in der wirtschaftspolitischen Diskussion den
Rang eines Dogmas angenommen, d.h. sie wird in der öffentlichen
Diskussion nicht mehr begründet, sondern als allgemeingültiger
Lehrsatz anerkannt.
Hinweise darauf, dass es auch warnende Stimmen gibt, z.B. die
bekannte Studie für den Club of Rome "Die Grenzen des
Wachstums" aus dem Jahr 1972, sowie die präzisierenden
Folgestudien aus den Jahren 1992 und 2004, die vor weiterem Wachstums
warnen, werden entweder nicht zur Kenntnis genommen oder mit der
kurzsichtigen Anmerkung lächerlich gemacht, der tatsächliche
Ablauf der Geschichte habe diese Studie ja nun eindeutig widerlegt.
In einem ausführlichen Aufsatz
http://www.sfv.de/artikel/die_dogmen_der_oekonomie_und_die_realitaet.htm
hat nun Priv.-Doz. Dr. Jürgen Grahl (Mathematiker und Stellvertreter
für den SFV-Vorstand) dieses Dogma von der Notwendigkeit weiteren
Wirtschaftswachstums sowie weitere unsinnige Lehrsätze und
Paradigmen der Volkswirtschaftslehre unter die Lupe genommen. Diese
Dogmen werden auch heute noch von tonangebenden Volkswirten zu Grunde
gelegt, obwohl sie in teils eklatanter Weise der Realität oder
naturwissenschaftlichen Grundgesetzmäßigkeiten zuwiderlaufen.
Um Sie, liebe Leser, auf diesen langen und anspruchsvollen Beitrag
neugierig zu machen, werden wir in dieser und den nächsten
Rundmails einzelne Kapitel daraus als Leseprobe veröffentlichen.
Die Zeit erscheint uns reif dafür, dass das allgemeine Unbehagen
an den scheinwissenschaftlich begründeten und somit unbrauchbaren
Handlungsempfehlungen entweder zu einer Reformation der Volkswirtschaftslehre
von innen her oder aber zu einer Entzauberung dieser "Wissenschaft"
führt, wie sie sich z.B. bei der Astrologie ergeben hat, die
vor 1666 noch an allen europäischen Universitäten als
Wissenschaft gelehrt wurde.
In diesem Sinne wünschen wir uns auch im kommenden Jahr viele
konstruktive Rückmeldungen auf die Themen unserer Rundmails.
Bleiben
Sie gesund!
Das SFV-Team
2. Leseprobe
ZEHN FRAGWÜRDIGE DOGMEN UND PARADIGMEN DER ÖKONOMIE
von Priv.-Doz. Dr. Jürgen Grahl
Gegenwartspräferenz und Zukunftsdiskontierung
Viele ökonomische Modelle bewerten heute verursachte, aber
erst in der Zukunft auftretende Schäden nach dem "Esau-Prinzip";
dadurch wird gegenwärtiger Nutzen höher eingeschätzt
als zukünftiger Nutzen oder auch Schaden. Quantitativ äußert
sich diese Gegenwartspräferenz darin, dass zukünftige
Schäden abdiskontiert werden. Träten z.B. in 150 Jahren
infolge des anthropogenen Treibhause ekts globale Schäden in
Höhe von 10.000 Mrd. Dollar auf (dem Vierfachen der gesamten
derzeitigen deutschen Wirtschaftsleistung) und diskontierte man
diese Schäden mit einem Diskontsatz von 4% auf die Gegenwart
ab, so ergäben sie lediglich einen Barwert von 28 Mrd. Dollar.
Mehr zur Kompensation oder Abwendung dieser Zukunftsschäden
heute zu investieren, wäre nach dieser Sichtweise ökonomisch
nicht rational.
Selbst wenn man künftige Schäden nur\ mit einer (auf
den ersten Blick moderat erscheinenden) Zeitpräferenzrate von
1% pro Jahr abdiskontiert, führt dies dazu, dass in 50 Jahren
auftretende Schäden nur noch mit 61%, in 400 Jahren auftretende
Schäden gar nur noch mit 0,7% ihrer Kosten gewichtet werden.
Es liegt auf der Hand, dass künftige Schäden hierdurch
in grotesker Weise bagatellisiert werden. Die Philosophie von Spinoza
über Kant und Schopenhauer bis zu Rawls lehnt eine solche Diskontierung
der Zukunft einhellig ab; der Ökonom Roy Harrod bezeichnet
sie als "eine höfliche Umschreibung für Raff gier
und die Herrschaft der Leidenschaften über die Vernunft\ (zitiert
nach [2, S. 104]).
[2] Birnbacher, Dieter: Intergenerationelle Verantwortung oder:
Dürfen wir die Zukunft der Menschheit diskontieren?
in: Klawitter, J.; Kümmel, R. (Hrsg.): Umweltschutz und Marktwirtschaft,
Königshausen und Neumann, Würzburg 1989, S. 101-115
-----------------------
3. Solarstromzähler ablesen
Denken Sie daran, auch jetzt im Winterhalbjahr Ihren Solarstrom-Einspeisezähler
abzulesen und das Ergebnis auf der
Internetseite http://www.pv-ertraege.de/ einzutragen
|