| Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Die AKW-Streichliste
Die ARD-Sendung Kontraste deckte in der Sendung vom 17.03. ein
bislang geheimes Strategiepapier der Fachebene des Umweltministeriums
auf, dass ein Weiterlaufen der deutschen AKWs fast unmöglich
macht. Um den Sicherheitsanforderungen zu genügen würde
sich der Betrieb für die meisten Kraftwerke ökonomisch
schlichtweg nicht lohnen.
Betont werden in dem Papier die Sicherheitsanpassungen im Bereich
der Terrorismus- und Erdbebengefahr. So steht zum Beispiel das AKW
Neckarwestheim 2 auf einem Erdbebengebiet, auf zerklüftetem
und unterhöhltem Kalkgestein, das AKW Brokdorf ist hochwassergefährdet
und Phillipsburg 1 ist besonders gefährdet bei möglichen
terroristischen Angriffen.
Der ehemalige Leiter der Atomaufsicht Wolfgang Renneberg zeigt
sich überaus überrascht über den Inhalt: „Das
Bundesumweltministerium hat bislang alles getan, um Sicherheitsanforderungen,
die eigentlich nach Stand von Wissenschaft und Technik gestellt
werden müssten, nicht zu stellen.“
Würde man den Forderungen des Umweltministerium folgen, würde
nach dem Moratorium kein AKW mehr am Netz bleiben dürfen!
Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass der in dem Papier
enthaltende Prüfkatalog wirklich zur Anwendung kommt. Die einflussreichen
Atomkonzerne werden die Sicherheitsanforderungen sicher wieder abschwächen.
Link zur Sendung vom 17.03 „Geheimer Prüfkatalog - Alle
AKW vor dem Aus?“:
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_17_03_2011/geheimer_pruefkatalog.html
Link zum internen Sicherheits-Katalog: http://www.rbb-online.de/kontraste/sendestrecke_beitraege/interner_sicherheits.file.pdf
Kraftwerksbetreiber geraten in Panik
Nach Auskunft des Umweltbundesamtes könnte Deutschland problemlos
auf neun Atomkraftwerke verzichten - und das ohne Einschränkungen
der Versorgungssicherheit und ohne zusätzliche Stromimporte!
Schließlich haben wir zur Zeit Überkapazitäten von
15 Gigawatt, so der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen
Flasbarth.
Das Bundesumweltamt betonte auch, dass der Ausbau der Erneuerbaren
und die Energiewende keine höheren Kosten für den Verbraucher
mit sich bringen würde. Es liegt auf der Hand, dass das den
Betreibern der AKWs sauer aufstößt. Denn genau das waren
bisher ihre Argumente: Angeblich ginge in Deutschland die Lichter
aus, wenn die AKWs abgeschaltet werden und der Verbraucher werde
mit Millionen Kosten belastet.
Teuer wird der Atomausstieg allerdings für die Betreiber.
Nach Berechnung en des Öko-Instituts verliert EnBW durch die
Abschaltung von Neckarwestheim 1 und Philippsburg I mindestens 1,5
Millionen Euro pro Tag.
E.ON plant nach Angaben der Süddeutschen Zeitung nun eine
Klage gegen das Moratorium. Sollten die sieben Reaktoren dauerhaft
vom Netz gehen, würden die Betreiber Schadenersatzforderungen
in Milliardenhöhe fordern. Sie berufen sich dabei auf die juristisch
äußerst wackelige Begründung der Bundesregierung
für die Abschaltung. Wie bereits gestern beschrieben, hat die
Koalition gestern einen Gesetzesvorschlag von den Grünen im
Bundestag abgeschmettert, der die Abschaltung der sieben AKWs auf
juristisch sicheren Boden gebracht hätte.
Ergänzung zur gestern verschickten weltweiten Anti-Atomentwicklungen
Malaysia: Nach monatelangen Debatten und trotz großer Sicherheitsbedenken
beschloss die Regierung von Malaysia im Februar diesen Jahres ein
erstes Atomkraftwerk zu bauen. Ausgerechnet Japan sollte beim Bau
Hilfestellung geben. In mehreren Gesprächen mit dem Minister
und seinem Stab hatte ich auf die Gefahren hingewiesen und vor einem
Kraftwerksbau gewarnt. Jetzt, in Hinblick auf die Katastrophe von
Japan, zeigt sich die Regierung verunsichert und plant die Kraftwerkspläne
neu zu überdenken.
Weitere Hintergrundinformationen:
Weitere Infos gibt es auch auf dem Internetauftritt der Grünen
im Bundestag. Hier ein Überblick über das Wichtigste:
- Sofortige Stilllegung von bis zu 15 AKWs wäre möglich:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374769.atomkraft_wird_kaum_noch_benoetigt_pdf.pdf
- Wer zahlt die Schäden eines Super-GAU?:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374874.wer_zahlt_die_schaeden_eines_supergau.pdf
- Gesundheitsgefährdung durch radioaktive Strahlen:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374554.gesundheitsgefaehrdung_durch_radioaktive.pdf
- Wirkung niedriger Dosen ionisierender Strahlung (BMU):
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374717.wirkung_niedriger_dosen_ionisierender_st.pdf
- Risiken alter Siedewasserreaktoren:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374194.risiken_alter_siedewasserreaktoren_pdf.pdf
- Der atomare Megastandort Fukushima:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374118.hintergrund_der_atomare_megastandort_fuk.pdf
- Was ist eine Kernschmelze?:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374119.hintergrund_was_ist_eine_kernschmelze.pdf
- Sicherheitszustand, Zwischenfälle, Lagerkapazitäten
für Atommüll der 17 deutschen AKW:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dokbin/374/374311.sicherheitszustand_zwischenfaelle_und_la.pdf
Berlin, den 18.03.2011
Ihr Hans-Josef Fell MdB, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/ Die Grünen
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon: 030 - 227 72 158, Fax: 030 - 227 76 369
http://www.hans-josef-fell.de, Bei mir werden Erneuerbare Energien
groß geschrieben!
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